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Liebe Leserinnen und Leser,

vier Jahre nach dem „Sommermärchen“ hierzulande rollt das runde Leder wieder und es ist Fußballweltmeisterschaft. Nicht bei uns. Dafür in einem Land, das wie das Unsere und doch ganz anders durch die schmerzhafte Geschichte einer Teilung geprägt ist. Es ist noch gar nicht so lange her, dass die Menschen in Südafrika das Regime der Apartheid überwunden haben, das Menschen und ihre Würde nach Hautfarbe und Rasse eingeteilt hat. Und es ist noch ein weiter Weg, bis die Folgen dieser Apartheid endgültig überwunden sind und sozialer Friede einkehrt. Gerade deshalb wäre den Menschen in Südafrika auf ihrem Weg so etwas wie das deutsche „Sommermärchen“ vor vier Jahren zu wünschen, das fröhliche und friedlich feiernde Menschen rund um den „Cup der guten Hoffnung“ auf die Straße bringt und auf seine Weise zu Versöhnung und Integration beiträgt.

Dabei liegt das weniger Erfreuliche dieser Fußball-Weltmeisterschaft auf der Hand: Die „wichtigste unwichtige Sache der Welt“, wie Papst Johannes Paul II. den Fußball einmal nennen konnte, ist längst zu Tode kommerzialisiert, vermarktet und übersendet. Jeder, der irgendetwas sagen oder verkaufen will, versucht sich im Doppelpass mit dem runden Leder. Dazu die Einteilung der Welt in Gewinner und Absteiger und all das, wofür der Sport mit seinen Bildern rund um den Kult der Starken und Erfolgreichen eben auch steht. Viele, ja zu viele Menschen in Südafrika werden sich eine Eintrittskarte zu den Spielen der Fußballweltmeisterschaft kaum leisten können.

Trotzdem bleibt, was Fußball und andere Spiele so anziehend macht: Das spielerisch Leichte, das wir bei denen bewundern, die es können und das wir gelegentlich selbst versuchen – auch dann, wenn uns der Ball nicht so gehorcht wie Lionel Messi. Dabei gewinnen ja gerade nicht immer die vermeintlich Besseren und Stärkeren. Spiele wie Fußball halten in einer verwalteten und vom Gedanken des Machbaren und Planbaren beherrschten Welt eine Tür offen für das Mögliche und manchmal auch Unmögliche, das mehr ist als die Summe unserer Planungen. Das macht nicht zuletzt den Reiz dieser Spiele und dieses Turniers aus. Und dann ist da noch das Körperliche und Soziale eines Mannschaftsspiels, in dem ich meinen eigenen Stärken und Schwächen ebenso begegne wie den Stärken und Schwächen meiner Mitspieler und Gegner. Im Fußball gibt es, wie im Leben, Erfolge genauso wie die Erfahrungen des Scheiterns. Ich darf mich über Siege freuen und muss mit Niederlagen zurecht kommen und ein fairer Verlierer sein. Nur dass es eben ein Spiel ist. Ich kann und darf mich darauf einlassen, ohne dass gleich das Ganze meines Lebens auf dem Spiel steht.

Wie gut uns Spiel und Bewegung tun, weiß jeder, der dabei schon einmal ganz bei der Sache gewesen ist. „Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“ (Friedrich Schiller). Dazu gehören die Augenblicke, in denen wir selbstvergessen und voller Hingabe bei etwas anderem sind und dadurch Abstand von uns selbst und von dem zu gewinnen, was sonst unseren Alltag bestimmt. Heilsame Unterbrechung nennen wir das. Solche Unterbrechungen können Fußball- und andere Spiele gelegentlich sein.

So wie unsere Gottesdienste auf ganz andere Art heilsame Unterbrechungen unseres Alltags sind, die uns gut tun und die wir in diesem Sommer übrigens auch dann noch feiern, wenn die Spiele der Fußballweltmeisterschaft längst wieder vorüber sind. An jedem Sonntag um 10 Uhr und während der Ferienwochen im August und bis Anfang September um 10.30 Uhr in unserer Kirche, der Heilbronner Wartbergkirche. Zu diesen Unterbrechungen lade ich Sie ganz herzlich ein und wünsche Ihnen erholsame Sommer- und Ferienwochen

Ihr Pfarrer Michael Werner

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„Cup der guten Hoffnung“

Gedanken zur Fußballweltmeisterschaft in Südafrika



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